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Lesetipp: Für Alle und für alle Fälle

Das kluge Buch von Ruth Gurny und Beat Rinnger aus dem Verlag edition8 fordert eine umfassende Revision des schweizerischen Sozialsystems. Ruth Gurny und Beat Ringger, führende Köpfe des linken Thinktank «Denknetz» schlagen in ihrem Buch «Für Alle und für alle Fälle» die Integration und Zusammenfassung sämtlicher Sozialleistungen in einer neuen Allgemeinen Erwerbsversicherung AEVplus vor. Die UFS findet: Die Lektüre lohnt sich.

Die Kernidee: Eine Versicherung für alle und alles

Die neue Allgemeine Erwerbsversicherung AEVplus soll, so diskutieren es die Autorin und der Autor, anstelle der heutigen Arbeitslosen-, Unfall-, Kranken-, Invaliden-, Mutterschafts- und Militärversicherung sowie der Sozialhilfe und den Ergänzungsleistungen treten. Damit würde das historisch gewachsene Wirrwarr des heutigen Systems beseitigt. Anstelle bürokratischer Abgrenzungskämpfe würde die Nutzung von Synergien treten. Menschen würden nicht mehr hin- und hergeschoben, Leerläufe würden vermieden, Leistungen könnten verbessert und Lücken im Sozialsystem geschlossen werden. Weitere Teile des Buches widmen sich der Forderung nach einer Umschulungsoffensive und der Revision des Migrationsrechtes.

Man muss nicht mit allen Teilen des Buches einverstanden sein, um es mit Gewinn zu lesen. Die Kritik am heutigen System ist plausibel, die Forderungen sind fundiert. Vor allem zeigt das Buch auf, dass es durchaus Alternativen zum heutigen System gibt.

Neue Impulse sind dringend notwendig

Die UFS beklagt schon lange, dass die Sozialhilfe gemessen an den hohen schweizerischen Lebenskosten zu knapp bemessen ist. Das überaus knappe Budget lässt den Sozialhilfeempfangenden kaum Luft, um wirklich wirksam an einer besseren Zukunft arbeiten zu können. Eine Lösung wäre es, die Sozialhilfe mit den Ergänzungsleistungen gleichzustellen. Wie lückenhaft unser Sozialsystem ist, zeigt auch eine Studie der Berner Fachhochschule / Soziale Arbeit auf. die Studie macht sichtbar, wie weit verbreitet Familienarmut und Kinderarmut in der Schweiz sind. In der Schweiz leben 5,2 Prozent der Kinder in Armut. Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern und Familien mit Kleinkindern sind besonders oft von Armut betroffen oder leben unmittelbar oberhalb der Armutsgrenze. Die Schweiz schneidet diesbezüglich auch im europäischen Vergleich sehr schlecht ab. Wäre es da nicht an der Zeit, das schweizerische Sozialsystem neu zu denken? Das Buch «Für alle und für alle Fälle» gibt spannende Anregungen und Impulse.

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